Das Projekt Freiburger Anthologie - Lyrik und Lied ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Projekt Klassikerwortschatz der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg einerseits (Projektteil Lyrik), dem Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg sowie dem Gesangbucharchiv der Johannes Gutenberg-Universität Mainz andererseits (Projektteil Lied). Ziel des Forschungsvorhabens war die Erstellung und Erprobung einer Datenbank zur „Digitalen Dokumentation von lyrischen Kurztexten“. Neben der technischen Grundlage sollten dabei auch auf inhaltlicher Ebene verschiedene Editionsverfahren, Kommentierungs- und Dokumentationsleistungen erarbeitet und in diesem Kontext getestet werden.
Dabei haben die Projektteile Lyrik und Lied partiell unterschiedliche Wege eingeschlagen, insbesondere was die Integration der Kommentierungsleistungen und die Quellendokumentation betrifft. Die Editionsrichtlinien waren jedoch für beide Projektteile verbindlich.
Diese Unterschiede sind zum einen durch pragmatische Arbeitsabläufe in der Erprobungsphase bedingt, im wesentlichen sind diese Abweichungen aber in Gattungsfragen begründet: denn Gedichte namhafter Autoren unterscheiden sich von populären und traditionellen Liedern, deren Urheber und Tradenten oft unbekannt sind, deren Textbestand schwankt etc.

A. Editionsrichtlinien

Das Projekt Freiburger Anthologie - Lyrik und Lied strebt die Edition der Texte an, die den etablierten Standards der Editionswissenschaft entsprechen. Als Grundregel gilt: Beibehalten wird jeweils die originale Orthographie, nicht jedoch die Typographie der edierten Texte.
Im einzelnen bedeutet dies: Beibehalten werden:
  • Lexik (nicht mehr gebräuchliche Wörter bzw. Wortformen) und Lautstand
  • Orthographie inkl. Groß- und Kleinschreibung
  • Interpunktion (inkl. Virgeln)
  • Druckfehler (Korrekturen der Editoren werden kenntlich gemacht)
Verändert bzw. aufgelöst werden die folgenden typographischen Elemente:
  • Ligaturen und Abbreviaturen (insb. Geminationsstriche zur Konsonantenverdoppelung) werden aufgelöst. Nicht aufgelöst wird das Zeichen „ß“. Alte Kürzel für „etc.“ werden mit ebendieser Buchstabenfolge dargestellt.
  • Umlaute mit hochgestelltem e werden umgewandelt in „ä“, „ö“, „ü“.
  • doppelter Binde- bzw. Trennstrich (=) wird zu einfachem Binde- / Trennstrich (-).
  • Verschiedene Typen für einen Buchstaben (z.B. das Schaft-„s“) werden aufgelöst.
  • Schmuck-Initialen werden in der gleichen Schriftgröße wie der restliche Text abgebildet.
  • Versalien am Wortanfang, etwa in „GOtt“, werden beibehalten.
  • Hervorhebungen (Fettdruck, Sperrungen, größere Schrifttype etc.) werden als Kursiva dargestellt.
  • Verschiedene Schriftgrößen werden nicht abgebildet.
  • Antiqua im Fraktur-Text wird kursiv abgebildet, Fraktur im Antiqua-Text ebenso.
  • Anführungszeichen werden in der Anzahl nach Vorlage gebildet (sind in der Vorlage je nach Sprecher unterschiedliche viele Anführungszeichen, so werden diese übernommen). Alle Anführungszeichen werden in französische Form umgewandelt (»«).
Veränderung der Makrostruktur des Textes
  • Alle Strophen werden - wie und Lied und Gedichteditionen üblich - in Versform gebracht; der Zeilenfall wird nach Versstruktur (evtl. auch der zugeordneten Melodie) rekonstruiert.
  • Die originale Strophenzählung wird nicht übernommen. Stattdessen wird bei allen Texten eine automatische Strophen- (und Vers-)Zählung generiert.
  • Zeileneinrückungen in der Vorlage werden abgebildet.
  • Originaler Seitenumbruch der Vorlage wird gekennzeichnet. Bricht die Seite inmitten eines Wortes um, gehört das getrennte Wort zur alten Seite.
  • Originale Fußnotenzeichen werden für alle Texte vereinheitlicht (in arabischer Zählung).

B. Kommentarrichtlinien

1. Lyrik:

1.1. Im Lyrikbereich war es ein Hauptanliegen der Unternehmung zu prüfen, welche Kommentierungsverfahren und -formen sich in eine technische Struktur überführen lassen. Wir verstehen unter »Kommentar« alle möglichen Zusatzinformationen, die entweder vom Autor oder dem Herausgeber neben den literarischen Text gestellt werden, die nicht selbst literarischer Text sind. Folgende Bereiche wurde durchgehend strukturell (für jedes Gedicht / jeden Beleg) abgebildet:
  • Datierung des Entstehungsdatums eines Gedichtes unter Angabe(n) der Quelle(n)
  • Erfassung aller Einzelstellenkommentare aus den jeweiligen Belegen (mit Ausnahme solcher, die sich rein auf den Apparat beziehen)
  • Erfassung von Fußnoten des Autors
  • Erfassung von Fußnoten der Herausgeber
  • Erfassung des Formkommentars zu allen Belegen
  • Erfassung der Scans aller Belege
  • Angabe des Autors / der Autorin
  • Angabe der Seitenzahlen aus den Quellen
  • Handschriften der Gedichte (ohne entsprechenden edierten Text)
  • Angabe einer Quellenliste
  • Angabe einer Liste zur Sekundärliteratur
1.2. Noch nicht strukturell (für alle Gedichte) erfaßt wurden:
  • Datierung des Entstehungsdatums eines Belegs unter Angabe(n) der Quelle(n) (soweit dies überhaupt möglich ist)
  • Die Erfassung aller Aussagen in der Sekundärliteratur über folgende Bereiche. Jede so gewonnene Information wird unter Angabe der entsprechende Quelle geführt.
    • Überlieferungs- / Editionsgeschichte
    • Quellen- / Motivgeschichte
    • Wirkungs- / Rezeptionsgeschichte
    • Wissenschaftsgeschichte
    • historischer Hintergrund / Biographische Situation
  • Die Anbindung eines Kurzkommentars (1-2 Seiten) zu jedem Gedicht, in dem die -geschichtskommentare in einen zusammenhängenden Lesetext übergeben werden.
1.3. Nicht erfaßt werden / wurden:
  • Apparatkommentierungen
  • Rein auf dem Apparat bezogene Einzelstellenkommentierungen
  • Aussagen aus der Sekundärliteratur, die nicht unter 1.2. erscheinen
  • Intertextuelle Verweise auf andere mit dem Text in Verbindung stehenden Texten (mit Ausnahme der Angaben aus der Einzelstellenkommentierung)
  • Titel- und Incipitregister der ausgewerteten Ausgaben

2. Lied:

Ein wissenschaftlicher Kurzkommentar, der in die Geschichte und Bedeutung des Liedes einführt, bildet den Zugang zu den Editionen, die über die Navigation abrufbar sind. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf die Rezeptionsgeschichte des Liedes, die in den unterschiedlichen Text- und Melodiefassungen anschaulich gemacht werden kann. Darüber hinaus macht der Kurzkommentar auch die kulturgeschichtliche Bedeutung des jeweiligen Liedes deutlich. Ausgangspunkt dieses Verfahrens war das Faktum, dass populäre und traditionelle Lieder in ihrer Wirkungsgeschichte stark verändert und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden. Diese Text- und Melodiefassungen sind lied- und kulturgeschichtlich als gleichrangig mit einem „autorisierten Text“, einem „Urtext“ oder einer rezeptionsleitenden Fassung anzusehen. Deshalb bietet diese Plattform nicht nur eine Edition von Text und Melodie, sondern stets mehrere, die – im Zusammenhang mit dem erschließenden Kurzkommentar – vergleichend gelesen werden sollen.
Den Editionen wurden, soweit in der Quelle vorhanden, die Melodie oder der Notensatz als Bild beigegeben. Diese Scans sind über das Anklicken eines Vorschau-Bildes (Thumbnail) rechts vom edierten Text abrufbar. Zusätzlich sind bei einigen Liedern Abbildungen abrufbar, die sich nicht auf eine einzelnen Rezeptionsbeleg beziehen, sondern auf das Lied als Ganzes oder einen ausgewählten Einzelaspekt (etwa motivgeschichtliche Bezüge). Diese Abbildungen sind über die Navigationsleiste zu erreichen (Feld „Abbildungen“).
Sechs der edierten Lieder wurde darüber hinaus ein ausführlicher wissenschaftlicher Kommentar zugefügt, der sich eingehend der Produktions- und Rezeptionsgeschichte von Text und Melodie zuwendet („Es kommt ein Schiff geladen“, „Großer Gott, wir loben dich“, „Der Kaiser ist ein lieber Mann“, „Goldene Abendsonne“, „Schönster Herr Jesu“, „So nimm denn meine Hände“). Hier wurde exemplarisch – in Ergänzung zu dem Kurzkommentar – die Möglichkeit einer großen Kommentierung in Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes durchgeführt. Abrufbar ist dieser ausführliche Kommentar in der Navigation (als PDF). Dem Lied „Es war ein König in Thule“ wurde darüber hinaus ein Essay zur Illustration dieses Liedes im 19. und 20. Jahrhundert beigegeben, zu „Nun danket alle Gott“ ein Essay von Siegmar Keil.

C. Verfahren in der Quellendokumentation

1. Lyrik:

1.1. Für die Lyrik wurden alle gedruckten Belege aus Werkausgaben gesammelt, digitalisiert und aufbereitet. Dabei spielte es keine Rolle, ob zwischen den einzelnen Belegen auf Textebene Unterschiede auszumachen waren oder nicht. Wir verzichten insofern auch auf Formulierungen wie »Fassungen« oder »Varianten«, da die Qualifizierung, die mit solchen Benennungen einhergeht, von uns nicht getroffen wurde. Vielmehr geht mit dem Begriff des »Belegs« eine bibliothekswissenschaftliche Ausrichtung einher, die ihre Entsprechung in dem Begriff der »Expressions« findet, wie er durch die FRBR eingeführt wurde, wohingegen unser »Typen«-Begriff sich an den »Werk«-Begriff oder englisch »Work«-Begriff der FRBR anlehnt. Unbedeutend in der Aufnahme der Belege war es insofern auch, ob es sich bei den Belegen um frühe, autorisierte Drucke handelt, oder um späte, nicht mehr autorisierte Drucke.
Editionstheoretisch betrachtet wenden wir in unserem Verfahren der Quellendokumentation die Prinzipien der »New Philology« an und übertragen diese Theorie (weg von den Handschriften) auf die Druckgeschichte der einzelnen Gedichte ― auch wenn die Theorie zu diesem Vorgehen noch nicht geschrieben ist. »mouvance« und »variance« hören nicht auf der Schwelle zum nachautorisierten Druck auf, wie unsere Daten eindrücklich zeigen. Wirkungsgeschichtlich betrachtet macht die Trennung zwischen autorisierten und nachautorisierten Belegen ebenfalls keinen Unterschied, in der Theorie der Editionswissenschaften gibt es allerdings nur sehr wenige Stimmen, die ein solches Vorgehen beschreiben:
»Es ist vorauszusehen, daß die wirkungsgeschichtlich orientierte Literaturwissenschaft eine Edition [...] neu zu Ehren bringen wird und im Variantenapparat, jedoch in einem gesonderten Teil, auch Wirkungsvarianten wieder verzeichnen wird, wenn man so die ’Überlieferungsvarianten’ nennen will, die vorführen, in welcher historischen Form das Werk tatsächlich gelesen worden ist (da der Terminus ’Lesarten’ vorläufig wohl noch nicht verstanden würde).« Hans Zeller: Befund und Deutung. In: Texte und Varianten. Probleme ihrer Edition und Interpretation. Hrsg. v. Gunter Martens u. Hans Zeller. München 1971, S. 74.
Der Vergleich einzelner Belege zueinander auf Grund einer automatischen Kollationierung ist leider noch nicht umgesetzt. Später sollen diese Unterschiede in einem »Apparat« technisch sichtbar gemacht werden.
Eine Liste aller bislang eingearbeiteten Gedichte finden Sie hier. Es sind jedoch noch nicht alle Typen in der Online-Version verfügbar. Sollten Sie Interesse an Gedichten haben, die noch nicht online verfügbar sind, aber bereits erarbeitet, dann setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Eine Liste aller Gedichte, die in die Datenbank eingearbeitet werden sollen, befindet sich hier.

2. Lied:

Jeder edierte Beleg wird durch bibliographische bzw. archivalische Grundinformationen (Autor, Nachweis der Quelle etc.) erschlossen.
Das separate Quellenverzeichnis umfasst in Auswahl Literatur und Einzelbelege, die entweder im Deutschen Volksliedarchiv oder im Gesangbucharchiv Mainz nachgewiesen sind. Eine vollständige Dokumentation der umfangreichen Quellen zu jedem Liedtyp war im Rahmen dieses Projekts weder durchführbar noch erforderlich. Hier wurde lediglich erprobt, wie solche Quellen technisch und organisatorisch erfasst werden können.
Im Literaturverzeichnis wird Sekundärliteratur nachgewiesen, die sich unmittelbar auf das Lied bezieht.

D. Dokumentationsrichtlinien

1. Lyrik:

1.1. Im Lyrikbereich wurden zunächst alle bibliographischen Daten in einer Excel-Tabelle geführt. Erst am Ende des Projektes wurde ein Import dieses Excel-Formats in entsprechende Bibliographieformate eingerichtet. Änderungen in den Quellen und der Sekundärliteratur werden weiterhin in Excel vermerkt, gegebenenfalls wird die Excel-Tabelle neu importiert, die dann die neuen bibliographischen Angaben erzeugt. Da jeder Datensatz unterschiedliche Bedingungen mit sich bringt, wie die entsprechende bibliographische Angabe aufgebaut werden muß, wurde jeder Datensatz in ein Schema qualifiziert, das beim Importieren auf den Datensatz angewendet wird. Folgende Daten werden (in ca. 70 Spalten) in Excel geführt:
  • Verwaltungsangaben und Referenznummern zu den Belegen
  • Angaben zu den Personenbindungen und -funktionen unselbständiger Werke
  • Angabe zu den Titeln unselbständiger Werke
  • Angabe zu den Personenbindungen und -funktionen selbständiger Werke
  • Angaben zu den Titeln selbständiger Werke
  • Angaben zu den untergeordneten Werken wie Bandangaben oder Heftnummern, Erscheinungsorte und Erscheinungsdatum
  • SWB-ID bei Quellen
  • Seitenzahlen
Noten und Tonträger, von denen wir ca. 800 aufgenommen haben, werden derzeit noch nicht in die öffentliche Webseite ausgelesen.

2. Lied:

Die Belege und Quellen werden bibliographische Angabe nachgewiesen und nicht strukturell getrennt (nach Autor, Titel, Ort, Jahr etc.). Diese Verfahrensweise hat den Nachteil, dass eine Anbindung an Bibliotheksdatensätze (Verbundkataloge) nicht möglich ist. Allerdings ist die rudimentäre Erfassung als bibliographische Angabe für die Belange der Lieddokumentation ausreichend und aufgrund der Masse der Belege (bei einigen Liedern mehre Hundert) kaum anders durchführbar.

E. Hilfe zur Benutzung

1. Zitierempfehlungen:

1.1. Zitierempfehlungen für Belege:
Sie können Belege in folgender Form zitieren:
[Autor des Belegs]: [Name des Beleges]. Zit. nach: [URL des Belegs] (Abruf: [Datum]).
1.2. Zitierempfehlungen für Kommentare:
Sie können die Kurzkommentare und die Ausführlichen Kommentare in folgender Form zitieren:
[Name des Bearbeiters]: Kurzkommentar / Ausführlicher Kommentar zum Lied [»Incipit«]. Zit. nach: [URL des Kommentars] (Abruf: [Datum]).
1.3. Zitierempfehlungen für beleggebundene Kommentierungen:
Sie können beleggebundene Kommentierungen (Einzelstellenkommentar, Formkommentar, Scan) in folgender Form zitieren. Bitte geben Sie dabei die zitierte Kommentarform mit an:
[Autor des Belegs]: [Name des Beleges]. [Kommentarform]. Zit. nach: [URL des Belegs] (Abruf: [Datum]).

F. Bekannte Fehler / Known BUGs im Bereich »Lyrik«:

    1. Technische Bugs
  • Einige Sonderzeichen wie Hochkommata und Anführungszeichen sind nicht richtig herum abgebildet
  • Immer, wenn in einem Beleg Einzelstellenkommentierungen vor einem Interpunktionszeichen auftauchen, dann wird ein zusätzliches Leerzeichen produziert.
  • Bei den bibliographischen Angaben kann es u. U. zu einer bruchstückhaften Ausgabe kommen.
  • Einzelstellenkommentare zu Überschriften können noch nicht technisch angebunden werden
    2. Inhaltliche Bugs
  • Nicht alle Gedichte eines Autors sind in den gleichen Quellen aufgeführt
  • Die Qualität einiger Scans ist atemberaubend schlecht, teilweise sind Belege als Negativ angelegt
  • Das Entstehungsdatum von Belegen ist nur dünn eingetragen
  • Einige Erstdrucke konnten noch nicht erreicht werden