C. Verfahren in der Quellendokumentation
1. Lyrik:
1.1. Für die Lyrik wurden alle gedruckten Belege aus Werkausgaben gesammelt, digitalisiert und aufbereitet. Dabei spielte es keine Rolle, ob zwischen den einzelnen Belegen auf Textebene Unterschiede auszumachen waren oder nicht. Wir verzichten insofern auch auf Formulierungen wie »Fassungen« oder »Varianten«, da die Qualifizierung, die mit solchen Benennungen einhergeht, von uns nicht getroffen wurde. Vielmehr geht mit dem Begriff des »Belegs« eine bibliothekswissenschaftliche Ausrichtung einher, die ihre Entsprechung in dem Begriff der »Expressions« findet, wie er durch die
FRBR eingeführt wurde, wohingegen unser »Typen«-Begriff sich an den »Werk«-Begriff oder englisch »Work«-Begriff der FRBR anlehnt. Unbedeutend in der Aufnahme der Belege war es insofern auch, ob es sich bei den Belegen um frühe, autorisierte Drucke handelt, oder um späte, nicht mehr autorisierte Drucke.
Editionstheoretisch betrachtet wenden wir in unserem Verfahren der Quellendokumentation die Prinzipien der »New Philology« an und übertragen diese Theorie (weg von den Handschriften) auf die Druckgeschichte der einzelnen Gedichte ― auch wenn die Theorie zu diesem Vorgehen noch nicht geschrieben ist. »mouvance« und »variance« hören nicht auf der Schwelle zum nachautorisierten Druck auf, wie unsere Daten eindrücklich zeigen. Wirkungsgeschichtlich betrachtet macht die Trennung zwischen autorisierten und nachautorisierten Belegen ebenfalls keinen Unterschied, in der Theorie der Editionswissenschaften gibt es allerdings nur sehr wenige Stimmen, die ein solches Vorgehen beschreiben:
»Es ist vorauszusehen, daß die wirkungsgeschichtlich orientierte Literaturwissenschaft eine Edition [...] neu zu Ehren bringen wird und im Variantenapparat, jedoch in einem gesonderten Teil, auch Wirkungsvarianten wieder verzeichnen wird, wenn man so die ’Überlieferungsvarianten’ nennen will, die vorführen, in welcher historischen Form das Werk tatsächlich gelesen worden ist (da der Terminus ’Lesarten’ vorläufig wohl noch nicht verstanden würde).« Hans Zeller: Befund und Deutung. In: Texte und Varianten. Probleme ihrer Edition und Interpretation. Hrsg. v. Gunter Martens u. Hans Zeller. München 1971, S. 74.
Der Vergleich einzelner Belege zueinander auf Grund einer automatischen Kollationierung ist leider noch nicht umgesetzt. Später sollen diese Unterschiede in einem »Apparat« technisch sichtbar gemacht werden.
Eine Liste aller bislang eingearbeiteten Gedichte finden Sie
hier. Es sind jedoch noch nicht alle Typen in der Online-Version verfügbar. Sollten Sie Interesse an Gedichten haben, die noch nicht online verfügbar sind, aber bereits erarbeitet, dann setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Eine Liste aller Gedichte, die in die Datenbank eingearbeitet werden sollen, befindet sich
hier.
2. Lied:
Jeder edierte Beleg wird durch bibliographische bzw. archivalische Grundinformationen (Autor, Nachweis der Quelle etc.) erschlossen.
Das separate Quellenverzeichnis umfasst in Auswahl Literatur und Einzelbelege, die entweder im Deutschen Volksliedarchiv oder im Gesangbucharchiv Mainz nachgewiesen sind. Eine vollständige Dokumentation der umfangreichen Quellen zu jedem Liedtyp war im Rahmen dieses Projekts weder durchführbar noch erforderlich. Hier wurde lediglich erprobt, wie solche Quellen technisch und organisatorisch erfasst werden können.
Im Literaturverzeichnis wird Sekundärliteratur nachgewiesen, die sich unmittelbar auf das Lied bezieht.
D. Dokumentationsrichtlinien
1. Lyrik:
1.1. Im Lyrikbereich wurden zunächst alle bibliographischen Daten in einer Excel-Tabelle geführt. Erst am Ende des Projektes wurde ein Import dieses Excel-Formats in entsprechende Bibliographieformate eingerichtet. Änderungen in den Quellen und der Sekundärliteratur werden weiterhin in Excel vermerkt, gegebenenfalls wird die Excel-Tabelle neu importiert, die dann die neuen bibliographischen Angaben erzeugt. Da jeder Datensatz unterschiedliche Bedingungen mit sich bringt, wie die entsprechende bibliographische Angabe aufgebaut werden muß, wurde jeder Datensatz in ein Schema qualifiziert, das beim Importieren auf den Datensatz angewendet wird. Folgende Daten werden (in ca. 70 Spalten) in Excel geführt:
- Verwaltungsangaben und Referenznummern zu den Belegen
- Angaben zu den Personenbindungen und -funktionen unselbständiger Werke
- Angabe zu den Titeln unselbständiger Werke
- Angabe zu den Personenbindungen und -funktionen selbständiger Werke
- Angaben zu den Titeln selbständiger Werke
- Angaben zu den untergeordneten Werken wie Bandangaben oder Heftnummern, Erscheinungsorte und Erscheinungsdatum
- SWB-ID bei Quellen
- Seitenzahlen
Noten und Tonträger, von denen wir ca. 800 aufgenommen haben, werden derzeit noch nicht in die öffentliche Webseite ausgelesen.
2. Lied:
Die Belege und Quellen werden bibliographische Angabe nachgewiesen und nicht strukturell getrennt (nach Autor, Titel, Ort, Jahr etc.). Diese Verfahrensweise hat den Nachteil, dass eine Anbindung an Bibliotheksdatensätze (Verbundkataloge) nicht möglich ist. Allerdings ist die rudimentäre Erfassung als bibliographische Angabe für die Belange der Lieddokumentation ausreichend und aufgrund der Masse der Belege (bei einigen Liedern mehre Hundert) kaum anders durchführbar.