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Der Mond ist aufgegangen
Text [Formkommentar]
Matthias Claudius / Johann Gottfried Herder
Abendlied.
Deutsch.
1.
Der Mond ist aufgegangen,1
297
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget5
Der weiße Nebel wunderbar.
2.
Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,10
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
3.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön.15
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
4.
Wir stolze Menschenkinder
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Sind eitel arme Sünder,20
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinnste,
Und suchen viele Künste,
Und kommen weiter von dem Ziel.
5.
Gott, laß uns dein Heil schauen,25
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!30
Bemerkungen: Im Anhang gibt Herder an, daß das Lied von Claudius ist und kommentiert: »Das Lied ist nicht der Zahl wegen hergesetzt, sondern einen Wink zu geben, welches Inhalts die besten Volkslieder seyn und bleiben werden. Das Gesangbuch ist die Bibel des Volkes, sein Trost und seine beste Erholung« (S. 312)
Johann Gottfried Herder: Volkslieder. Bd. 2. Leipzig 1779, S. 297-298.
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